Viel Lesestoff an zentralem Ort

09.03.2018 18:02
von Admin

Artikel des Schwarzwälder Boten - 09.03.2018

Balingen. Ganz in ein Buch vertieft steht der ältere Herr vor dem roten Regal im Balinger Bahnhof. Nach längerer Zeit kommt seine Frau von draußen herein: "Jetzt muss i doch mal gucken, ob dir was passiert isch." Mit frischer Lektüre in der Hand verlässt der Mann die Wartehalle.

Ute Mößner-Klein von der Balinger Frauenliste kennt ihn gut: Wöchentlich ein bis zwei Mal komme er in den Bahnhof, um nach Biografien und Werken älterer Autoren zu schauen. Für Mößner-Klein ist das ein Beleg dafür, wie gut das Angebot an Lesestoff angenommen wird: Mancher Balinger schaue täglich vorbei.

Margrit Weinmann-Mayer hatte die ursprüngliche Idee gehabt: Die Frauenliste sollte an einem zentralen Ort in der Stadt eine Möglichkeit schaffen, wo Bürgerinnen und Bürger ausgelesene Bücher einstellen und neue Lektüre mitnehmen könnten. Man wollte dazu anregen, mal wieder ein Buch in die Hand zu nehmen.

Denn Bücher gehörten nicht in die blaue Altpapiertonne, findet Mößner-Klein, die diese Idee umsetzte. Unterstützung erhielt sie dabei von Bahnhofsbesitzer Peter Seifert, der vorschlug, das Regal in der Wartehalle aufzustellen. Vor genau fünf Jahren, am 10. März 2013, wurde es dann eingeweiht.

Der Standort habe sich als ideal erwiesen, findet Mößner-Klein: wettergeschützt, über Nacht abgeschlossen und so vor Vandalismus geschützt, von vielen verschiedenen Menschen frequentiert – jungen und alten, Einheimischen und Migranten.

Das rote Regal werde rege genutzt nutzten, weiß die Pädagogin im Ruhestand. Wöchentlich schaut sie selbst in der Wartehalle nach dem Rechten. Sie stellt neue Bücher ins Regal, die sie beispielsweise von Freunden oder nach der Spielwarenbörse der Frauenliste erhalten hat. Und sie achtet darauf, dass eine breite Auswahl an Druckwerken bereitsteht: Kinder-, Bastel-, Koch- und Sachbücher, Romane, Bildbände und selbst Lexika finden ihre Abnehmer. Mancher Balinger stelle auch von sich aus etwas ins Regal oder das wieder ordentlich hin, was schon vorhanden ist: "Das ist ein Selbstläufer geworden", freut sich die Initiatorin. Unpassende oder kaputte Bücher, religiöse Pamphlete oder Werbung entfernt sie hingegen.

Mößner-Klein überlegt inzwischen, einen zweiten Standort in der Stadt zu suchen: Genügend Bücher wären ja da, und auch eine entsprechende Nachfrage bestände. Vielleicht käme die alte Telefonzelle an der Friedrichstraße infrage, falls diese einmal stillgelegt werden sollte. Für konkrete Vorschläge oder Standortangebote wäre sie offen, sagt sie.

 

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